Christiane Loitz ist examinierte Altenpflegerin und arbeitet in der AWO Residenz Sehnde. Sie und ihr Mann Tomas von Perbandt haben seit Jahren ein ausgefallenes Hobby. Beide interessieren sich für das Radio. „H Punkt“ heißt ihr Internetradio, welches sie seit über 5 Jahren führen. Jederzeit kann man auf dem Sender Musik hören und freitags auch Moderationen von Christiane und Tomas. Ihr Internetradio wird nicht nur unter Freunden oder der Öffentlichkeit sehr gut angenommen, sondern auch bei den Bewohnern und Bewohnerinnen der Residenz Sehnde und dem ServiceHaus Bolzum.


Wie kann man sich das Ganze denn überhaupt vorstellen?

Christiane: Wir haben alle 14 Tage Sendung. Meistens freitags von 14 – 17 Uhr. Zu Anfang habe ich das Ganze noch getrennt. Da haben wir eine Bewohner- und eine Mitarbeitersendung gemacht. Bei den Mitarbeitern ist das Interesse nicht so groß gewesen. Das Interesse der Bewohner und Bewohnerinnen ist Wahnsinn. Einige lassen sich freitags gar nicht vom Radio wegbringen.

Und wer von euch moderiert?

Tomas: Manchmal moderieren wir zusammen. Das kommt immer drauf an. Manchmal sendet einer und moderiert und plötzlich kommt der andere dazu und macht dann mit. Dann schmeißen wir das ganze Ding zusammen und dann wird es richtig lustig. (Tomas lacht)

Christiane: Wir schmeißen uns dann gegenseitig die Pointen zu und nehmen uns mal hoch. Manchmal sagen wir dann auch ganz klassisch: „Ich muss jetzt mal in den Keller und den Song suchen.“ Es ist natürlich klar, dass wir nur in unserer Playlist suchen aber die älteren Leute würden jetzt tatsächlich dafür in den Keller gehen und sich eine Platte suchen. Manchmal ist es auch so, wenn ich arbeiten bin, dass ich Tomas dann schreibe und sage „schmeiß mal eine Sendung an“, manchmal geht das also auch ganz spontan. 

Wie viel Zeit investiert ihr in das Internetradio/euer Hobby?

Tomas: Es ist enorm viel Zeit, ich würde sagen die Hälfte des Tages. Es ist ein aufwendiges Hobby. Zusätzlich zur Arbeit und unserem Hobby pflegen wir in der Zwischenzeit meine Mutter Zuhause.

Christiane: Zwei bis drei Stunden beschäftigen wir uns auf jeden Fall mit unserem Internetradio. Mal mehr, mal weniger. Man sucht sich ja auch immer nochmal wieder etwas Neues raus. Schaut bei anderen, was die machen. Man will ja auch immer auf dem Laufenden bleiben.

Wie viele Zuhörer habt ihr denn ungefähr?

Christiane: Das kann man gar nicht so genau sagen. Viele legen sich mit ihrer IP nicht offen, die hören uns dann auch über verschiedene Dienstleister, dort werden zum Teil keine IP Adressen gezeigt.

Tomas: Es ist z. B. beim Hotspot so, dass wenn man sich über eine bestimmte Stelle einloggt, dass sich darüber auch mehrere einloggen können und dann eben dieselbe IP-Adresse angezeigt wird.
In Spitzenzeiten haben wir ca. 130 Hörer.

Christiane: Für uns ist es gar nicht so wichtig, wie viele Leute zuhören. Wir machen das, weil es uns Spaß macht. 

Und das Internetradio ist tatsächlich nur ein Hobby von euch oder verdient ihr damit auch Geld?

Tomas: Ich sag mal so, es ist ein Hobby, was den Großen aber vom Aufbau her schon ziemlich Nahe kommt. Es ist natürlich nicht dasselbe, die großen Radiosender haben die Möglichkeit bei großen Plattenfirmen die Musik einzukaufen, das haben wir so nicht. Wir haben nur die Plattenfirmen, welche uns die Musik so zur Verfügung stellen und unsere eigene eingekaufte Musik.

Was für Musik spielt ihr denn so?

Tomas: Wir schauen immer, ob wir auf dem neuesten Stand sind. Vor kurzem haben wir angefangen auch mal keltische Musik zu spielen.

Christiane: Bei uns gibt es im Prinzip alles. Von Klassik bis Hardrock, von Mittelalter bis Kinderlieder. Das Einzige was wir eben nicht machen, was uns zu vielen anderen Radiosendern unterscheidet ist, dass wir keine Nachrichten machen. Das würde ja auch bedeuten, 24 Stunden immer aktuell sein zu müssen. Manchmal wenn wir auf Sendung sind und merken, dass es ein wichtiges Thema gibt, welches viele interessiert, dann gehen wir schon mal darauf ein. 

Geht ihr auch auf Wünsche der Bewohner ein?

Christiane: Natürlich. Wenn man auf Sendung ist, dann merkt man, dass das ganze Programm gleich viel facettenreicher ist. Wenn die Damen und Herren der AWO mithören, dann sind wir auch mal in den 30er und 40er Jahren, im Rock ’n Roll oder bei Elvis. Wir lesen manchmal auch etwas vor oder Gedichte werden eingespielt z. B. zur Weihnachtszeit.

Tomas: Seit diesem Monat machen wir es so, dass sich die Tagespflege im ServiceHaus Bolzum auch etwas wünschen kann. Wir haben ja dort gerade erst angefangen. Und dann schauen wir, wie wir das alles in eine Sendung packen.

Wie funktioniert das mit den Wünschen?

Christiane: Wir haben zum Teil so viele Wünsche, dass wir diese in einer Sendung (ca. 2 Stunden) kaum unterkriegen. Manchmal haben wir deswegen auch schon Motto-Sendungen gemacht. Dann sitzen wir z. B. an der „Küste“ oder am „Meer“. Wir versuchen ja auch nicht nur für die Leute etwas zu spielen, die orientiert sind, sondern wir versuchen auch die Leute anzusprechen, die vielleicht eine Demenz haben. Da gehen wir dann mehr in die Erinnerungsmusik.

Bekommt ihr auch viel positives Feedback?

Christiane: Wenn ich jetzt beispielsweise freitags auf Sendung war und am Samstag zur Arbeit gehe, werde ich von den Bewohnern und Bewohnerinnen immer darauf angesprochen: „Du warst wieder auf Sendung, oder? Es hat mir wieder viel Spaß gemacht zuzuhören.“ Wir bekommen viel positive Resonanz. Nicht nur von den Bewohnern und Bewohnerinnen, sondern auch von Angehörigen.

Tomas: Wir versuchen das zu spielen, was bei den älteren Damen und Herren das Herz trifft. Da kommen Erinnerungen hoch. Das sind oft auch Erinnerungen, die sie lange nicht mehr gehabt haben.

Und das Hobby macht euch noch Spaß?

Christiane: Ja absolut. Wir sind mit Herzen dabei. Ich bin gespannt, was dieses Jahr noch bringt. Wir haben eine Nikolaussendung oder eine Weihnachtssendung gemacht und es macht einfach Spaß. 

Und das Ganze funktioniert auch in der Residenz Sehnde und in der Tagespflege?

Christiane: Zu Beginn hat es nicht funktioniert, weil in den Residenzen keine Internetradios vorhanden waren oder welche, die uns nicht empfangen haben.

Tomas: Wir haben ja keine Frequenz, sondern sind ja ein Internetradio. Da haben wir uns im letzten Jahr dazu entschieden, der Residenz Sehnde ein Internetradio zu spenden, damit Bewohner und Bewohnerinnen uns hören können. Der Tagespflege im ServiceHaus Bolzum haben wir auch ein Internetradio gespendet.

Was zeichnet euren Radiosender aus?

Christiane: Wir wollen ein Radiosender sein, wo man eben einfach mal nur Musik hören kann, ohne dass viel Werbung kommt. Wir wollen ein rundes Bild erschaffen und sind einfach mit Herzen dabei.